Tinder Teufelszeug

so werde ich in Zukunft von dieser Dating App sprechen.
Ich werde hier nicht erklären, was Tinder ist. Wer nicht weiß was Tinder ist, hat den Schuss nicht gehört und dem ist nicht zu helfen.

Ich werde auch nicht erklären wie Tinder funktioniert, denn das Prinzip ist SO einfach, jeder Erklärungsversuch wäre eine Beleidigung eurer und meiner Intelligenz.

Auch die Vor- und Nachteile wurden bis zum Erbrechen durchexerziert – letztendlich muss sich eben doch jeder selbst ein Bild davon machen.
Ich werde jedoch von einer besorgniserregenden persönlichen Erfahrung berichten:

Ich tindere (ja das ist nun ein Wort. Ich erwarte einen Eintrag in den Duden bis 2016) seit April 2014, genauer gesagt seit genau einem Tag nach meinem 24. Geburtstag. Das kann ich nachvollziehen, da ich an diesem Datum mein erstes Match war. Was genau jedoch an meinem Geburtstag vorgefallen ist, so dass ich auf Tinder flüchten musste, weiß ich jedoch leider nicht mehr.

Ich bin also seit genau 268 Tagen auf Tinder aktiv und hatte in dieser Zeit 5 erste Dates und 1 zweites Date. Der Erfolg war also nicht gerade überragend, auf die Gründe werde ich vielleicht irgendwann einmal eingehen. Worauf ich hinauswill: Ich habe über Tinder maximal 5 Kerle kennengelernt und ich scheine dennoch nicht fähig zu sein, den Überblick zu behalten. Ist das nun ein Anzeichen beginnender Altersdemenz? Oder ist allein Tinder schuld?

Am Dienstag hatte ich ein Match mit Michael. Michael schien ein witziger Typ zu sein und hatte jede Menge Strandfotos hochgeladen. Er schrieb mich an und schickte mir später seine Handynummer, was mir nur Recht war, denn ich finde Tinder eignet sich nicht für stundenlanges chatten. Ich speicherte Michael unter meinen Kontakten. Unter „Michael Tinder“. (bitte merken)
Direkt im Anschluss suchte ich ihn unter Whatsapp und schrieb ihm. Folgende Unterhaltung ergab sich:

2015-01-13 21.39.05Ich so: Hä? Wie getroffen? Wir schreiben doch gerade zum ersten Mal
2 Minuten später ich immer noch so: Hä? Ich checks echt nicht…

Wer nun brav aufgepasst hat, wird nun sagen: Mensch Blondie, schau doch auf den Namen du Depp.

Ich hatte dem Falschem geschrieben. Matthias anstatt Michael. Eigentlich kein Ding, mir aber trotzdem furchtbar peinlich. Ich hatte ihn nicht mal auf dem Whatsapp Bild erkannt. Aber es sollte noch schlimmer kommen.

Ich versuchte mich zu erinnern, wer eigentlich Matthias war und wann ich Matthias kennengelernt hatte. Dann der Geistesblitz: Matthias, das war doch der Schreiner aus dem Münchner Osten mit dem ich 2 nette Dates gehabt hatte, bei dem der Funke jedoch ausgeblieben war. Ich entschuldigte mich also für die Störung, verabschiedete mich und vergaß die Sache (will meinen, ich schrieb all meinen Freundinnen von der Sache, schwor Tinder hochoffiziell ab und leerte die Weißweinflasche). Michael (dem echtem) schrieb ich an diesem Abend nicht mehr, es erschien mir als keine brillante Idee.

Heute Abend zeigte ich M. (auch passionierte Tinderella) meine aktuellsten Tinder Screenshots (eine nette kleine Tradition, die Freakshow der 2010ner Jahre. Ich plane ein Best-Of zu veröffentlichen, bin mir aber nict sicher was das datenschutzmäßig bedeutet…)

Bei der Durchsicht stieß ich auf das Tinderprofil von Christian, dem Schreiner aus dem Münchner Osten mit dem ich 2 nette – MOMENT MAL?!?! Irgendetwas stimmte hier ganz und gar nicht.
Ich hatte Christian und Matthias verwechselt. Nachdem ich Matthias und Michael verwechselt hatte. Christian war der Schreiner vom Dezember. Michael der neue Kontakt. Aber who the fuck war Matthias???

Ich brauchte 2 Stunden um die Story zusammen zu bekommen: Matthias hatte ich schon im Juni kennengelernt, er hatte mir etwas von seinem Beruf erzählt, das ich nicht verstand und mir empfohlen ein XING Profil anzulegen und mich bei der Gelegenheit auch bei LinkedIn zu registrieren. Ich sah ihn nie wieder.

Ich hatte das Rätsel nun endlich aufgedröselt und war bereit Michael auf Whatsapp zu schreiben. In unserem Tinderchat hatte sich jedoch in der Zwischenzeit folgendes Gespräch entwickelt:

2015-01-14 23.49.12 2015-01-17 03.57.05

Es war wohl doch letztendlich ein glücklicher Zufall, dass ich Michael nie geschrieben habe. Wer weiß, hätte ich an diesem Abend nicht zu viel getindert (und nicht schon ordentlich einen im Tee gehabt) hätte ich jetzt wohl einen Stalker, der mich zerstückelt in einem Kasten unter seiner Matratze aufbewahren will. Es hat immer etwas Gutes.


Was lernen wir daraus:

  • Tinder kann Spaß machen, ist aber möglicherweise verantwortlich für abnehmende Gehirnleistung
  • Tinder lässt mich defintiv abstumpfen
  • 5 Dates in über 250 Tagen scheinen mich zu überfordern und das ist die eigentliche Tragödie in dieser tragischen Geschichte
  • es gibt auch glückliche Zufälle
  • …und last but not least: Don’t drink and text. It’s that simple.